Stand 26.03.2026
Die erwarteten gesamtwirtschaftlichen, politischen und branchenbezogenen Rahmenbedingungen in den für die Koenig & Bauer-Gruppe relevanten Märkten dienen als Prämissen für die Prognoseplanung für das Jahr 2026 (1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2026) und die Folgejahre.
Die getroffenen Prognoseeinschätzungen basieren auf der Annahme, dass sich die äußeren Rahmenbedingungen gegenüber dem aktuellen Stand nicht wesentlich ändern. Dabei spielen folgende externe Einflussfaktoren eine entscheidende Rolle:
- Geopolitische Entwicklungen: Keine weiteren Eskalationen oder verschärften Einschränkungen im Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen in der Ukraine oder anderen geopolitischen Spannungen, die Lieferketten, Produktionsprozesse oder Absatzmärkte beeinträchtigen könnten.
- Handelspolitische Unsicherheiten: Der Fortgang internationaler Handelskonflikte, insbesondere in den USA – hierbei wird vorausgesetzt, dass auf Basis der jüngsten US-Rechtsprechung zeitnah Klarheit zu den Einfuhrzöllen besteht, damit Kunden ihre Investitionsentscheidungen ohne handelsbedingte Verunsicherung treffen können – und mögliche protektionistische Maßnahmen, die zu Investitionszurückhaltung oder zu höheren Kosten in der Lieferkette führen könnten.
- Makroökonomische Rahmenbedingungen: Keine unerwartete Rückkehr einer erhöhten Inflation, Zinsentwicklungen oder eine konjunkturelle Abschwächung, die die Nachfrage in zentralen Märkten beeinträchtigen könnten.
Zusätzlich bleibt die Prognose von der internen Geschäftsentwicklung und der erfolgreichen Umsetzung strategischer Initiativen abhängig. Zusätzlich bleibt die Prognose von der internen Geschäftsentwicklung und der erfolgreichen Umsetzung strategischer Initiativen abhängig.
Die ohnehin volatile geopolitische Lage hat sich durch die militärische Eskalation im Nahen Osten seit dem 28.02.2026 (Eintritt des israelisch-amerikanischen Konflikts mit dem Iran und dessen Ausweitung auf Nachbarstaaten) fundamental verschärft. Zum Zeitpunkt der Berichterstellung ist das volle Ausmaß der Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und den Maschinenbau noch nicht abschließend quantifizierbar.
Es besteht jedoch das akute Risiko einer signifikanten Beeinträchtigung der Energie- und Rohstoffmärkte, da eine länger andauernde Blockade der Straße von Hormus die Gefahr dauerhaft höherer Energiepreise birgt; dies könnte die globale Inflation erneut anheizen und die Produktionskosten im Maschinenbau belasten. Zudem stehen Logistik- und Lieferketten unter Druck, da die hochgradig unsichere Lage auf den Seewegen und strategischen Knotenpunkte im Nahen Osten die Stabilität der Warenströme sowie den Export in asiatische Wachstumsmärkte gefährden könnten. Darüber hinaus drohen negative Auswirkungen auf das Investitionsklima: Eine langanhaltende militärische Konfrontation könnte die weltweite Bereitschaft für langlebige Investitionsgüter spürbar dämpfen, zumal Kunden in unsicheren Zeiten verstärkt auf Liquiditätserhaltung setzen.
Sämtliche dieser Entwicklungen betreffen Koenig & Bauer unmittelbar – sowohl auf der Kostenseite als auch beim weltweiten Absatz.
Darüber hinaus ergeben sich spezifische operative Herausforderungen: Aufgrund bestehender Reisewarnungen für die vom aktuellen Kriegsgeschehen betroffenen Länder ist die Entsendung von Fachpersonal für Montage-, Installations- und Serviceeinsätze derzeit stark eingeschränkt. Dies beeinträchtigt nicht nur die Auslieferungsfähigkeit und die termingerechte Inbetriebnahme neuer Anlagen, sondern auch die Erbringung zeitkritischer Serviceleistungen vor Ort. Mögliche Verzögerungen bei der Endabnahme von Maschinen können zudem die geplante Umsatzrealisierung beeinflussen.
Die im Prognosebericht getroffenen Annahmen stehen somit unter dem Vorbehalt, dass es zu keiner zeitlich ausgedehnten militärischen Konfrontation im Nahen Osten, keiner langanhaltenden Unterbrechung der internationalen Handelswege, keiner dauerhaften Energiepreiskrise und zu keiner signifikanten Eintrübung des globalen Investitionsklimas kommt.
Strategisches Zielbild „IMPACT“
Koenig & Bauer treibt mit „IMPACT“ die konsequente Transformation des Konzerns voran. Der strategische Leitfaden definiert sechs zentrale Säulen – Intelligence, Market, People, Adaptability, Competitiveness und Technology –, mit denen der Konzern seine Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit in einem volatilen Marktumfeld stärkt. „IMPACT“ gibt dabei die Stoßrichtung bis 2030 und darüber hinaus vor, um die operative Widerstandsfähigkeit zu erhöhen und die Marktposition konsequent abzusichern. Im Rahmen dieses Zielbildes sieht Koenig & Bauer ein strategisches Umsatzpotenzial von 1,5 Mrd. € bei einer operativen EBITDA-Marge von mindestens 8 % (ohne Sondereffekte wie z.B. auch drupa) vor, welches das Unternehmen auch durch die Skalierung innovativer Lösungen in den globalen Fokusmärkten mittelfristig erschließen will. Die Realisierung dieses Potenzials wird durch die weitere konsequente Optimierung des Konzernfootprints sowie der Konzernstrukturen vorangetrieben. Aufbauend auf den bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Portfoliobereinigung – wie der Einstellung des Projekts CSMetalCan und der Reduzierung der Komplexität im Flexobereich (Frühjahr 2025) sowie der im Juli 2025 gestarteten strategischen Überprüfung der Koenig & Bauer Coding GmbH – bildet die im Januar 2026 beschlossene Stilllegung des Betriebs der Albert-Frankenthal GmbH einen konsequenten nächsten Schritt zur weiteren Konzernfokussierung und Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit.
Ausblick 2026: Stabiler Geschäftsverlauf in volatilen Umfeld erwartet – Umstellung der Guidance auf das operative EBITDA
Vor dem Hintergrund der aktuellen Auftragslage und der volatilen geopolitischen Rahmenbedingungen erwartet Koenig & Bauer für das Geschäftsjahr 2026 eine Fortsetzung der operativen Stabilität. Mit Beginn des Geschäftsjahres 2026 haben die gesetzlichen Vertreter der Koenig & Bauer AG entschieden, die Guidance auf das operative EBITDA umzustellen. Diese Kennzahl fungiert fortan neben den Umsatzerlösen als bedeutsamster finanzieller Leistungsindikator und löst das operative EBIT ab. Damit trägt das Unternehmen der angestrebten Schärfung des Fokus auf die operative Cash-Generierung, einer verbesserten Vergleichbarkeit innerhalb der Peer Group sowie den künftigen Anforderungen des IFRS 18 Rechnung.
Unter Berücksichtigung der Chancen und Risiken ist die Prognose an folgende wesentliche Annahmen geknüpft: Vorausgesetzt, dass die weltwirtschaftliche Entwicklung und die Nachfrageimpulse in den relevanten Teilmärkten stabil bleiben, wird ein Konzernumsatz auf Vorjahresniveau (2025: 1.302,4 Mio. €) erwartet. Unter der Annahme, dass auf Basis der jüngsten US-Rechtsprechung zeitnah Klarheit zu den Einfuhrzöllen besteht, damit Kunden ihre Investitionsentscheidungen ohne handelsbedingte Verunsicherung treffen können prognostiziert der Vorstand für 2026 ein operatives EBITDA von circa 80 Mio. € wie im Vorjahr. Für das laufende Geschäftsjahr könnten sich beispielsweise nicht operative Positionen aus Aufwendungen / Erträge aus Konzernportfoliomaßnahmen (Übernahmen, Veräußerungen, Bereinigungen und andere portfoliobezogene Maßnahmen, u.a. Änderungen im Goodwill) im Zusammenhang mit der im Juli 2025 gestarteten strategischen Überprüfung der Koenig & Bauer Coding GmbH ergeben. Zudem könnten sich Aufwendungen / Erträge in Zusammenhang mit Restrukturierungsprojekten im Zusammenhang mit der im Januar 2026 beschlossene Stilllegung des Betriebs der Albert-Frankenthal GmbH ergeben.
Im Geschäftsjahr 2026 soll das Segment Paper & Packaging Sheetfed Systems (P&P) einen stabilen Umsatzbeitrag auf Vorjahresniveau leisten und das Segment Special & New Technologies (S&T) einen deutlich steigenden Umsatzbeitrag gegenüber dem Vorjahresniveau leisten. Zum operativen EBITDA soll das Segment P&P einen leicht reduzierten und das Segment S&T einen deutlich steigenden Ergebnisbeitrag gegenüber dem Vorjahresniveau leisten. Im Segment S&T wird die Profitabilität dabei durch die fortschreitende Skalierung in neuen Geschäftsfeldern sowie die stabile Auslastung im Wertpapierbereich gestützt.
| Umsatz* | Erwartung für 2026 | 2025 in Mio. € |
| Paper & Packaging Sheetfed Systems (P&P) | Stabil auf Vorjahresniveau | 741,5 |
| Special & New Technologies (S&T) | Deutlich steigend gegenüber Vorjahresniveau | 596,0 |
| Überleitung | – | -35,1 |
| Konzern | Stabil auf Vorjahresniveau | 1.302,4 |
| Operatives EBITDA** | Erwartung für 2025 | 2025 in Mio. € |
| Paper & Packaging Sheetfed Systems (P&P) | Leicht reduziert gegenüber dem Vorjahresniveau | 42,3 |
| Special & New Technologies (S&T) | Deutlich steigend gegenüber dem Vorjahresniveau | 22,2 |
| Überleitung | – | 15,1 |
| Konzern | Stabil auf Vorjahresniveau | 79,6 |
| Operatives EBITDA** | 2025 in Mio. € | |
| Paper & Packaging Sheetfed Systems (P&P) | – | 25,0 |
| Special & New Technologies (S&T) | – | 9,0 |
| Überleitung | – | 2,6 |
| Konzern | – | 36,6 |
*) Beim Umsatz entspricht „stabil“ einer Veränderung von bis zu +/- 3 %, „leicht“ einer Veränderung von bis zu +/- 5 %, während Veränderungen ab +/- 5 % als „deutlich“ bezeichnet werden
**) Beim operativen EBITDA entspricht „stabil“ einer Veränderung von bis zu +/- 5 %, „leicht“ einer Veränderung von bis zu +/- 10 %, ab +/- 10 % werden Veränderungen als „deutlich“ angesehen.
Vor dem Hintergrund der Ergebnisentwicklung im Geschäftsjahr 2025 und des anhaltend herausfordernden globalwirtschaftlichen Marktumfeldes schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung vor, auf die Ausschüttung einer Dividende für das Geschäftsjahr in Anbetracht des Bilanzergebnisses der Koenig & Bauer AG zu verzichten. Da die angemessene Beteiligung der Aktionär:innen am Unternehmenserfolg für Koenig & Bauer von hoher Bedeutung ist, sieht die Dividendenpolitik vor, dass bei profitabler Geschäftsentwicklung im Jahr eine Ausschüttung von 15–35 % des Konzernergebnisses bei einer Mindestdividende von 0,30 € pro Aktie angestrebt wird.